Grube Glückauf Unterloquitz (ca. 1934)
Transport Hütte
Grubenbahn
Schiefergewinnung findet erstmals anno 1485 in Lehesten Erwähnung. Die Entwicklung des Ortes war und ist vom Schieferbergbau und dem damit bestehenden Schieferdeckerhandwerk gekennzeichnet.
Durch den ansteigenden Bedarf weitet sich die Schiefergewinnung immer weiter aus. Nicht nur die Forderung nach feuersicheren Dächern spielt hierbei eine Rolle, Dachschiefer war und ist der ideale Baustoff und verbindet hohe Haltbarkeit mit architektonischer Eleganz des Daches.
Im 19.Jahrhundert setzte eine außerordentliche Expansion ein. Die Schiefergewinnung, die bis dato nur um Lehesten – dem so genannten Oberland – stattfand, dehnte sich auf Grund des steigenden Bedarfes in das Unterland aus. Etwa 1750 entstanden die Gruben Probstzella und Unterloquitz. Das absolute Hoch der Dachschiefergewinnung in diesen Regionen lag zwischen 1850 und 1890. Etwa 40 Brüche und Gruben beschäftigten rund 2500 Bergleute.
Ein zeitgenössisches Dokument beschriebt die Lebensumstände der Bergleute in dieser Zeit: ...“Alle Höhen, auf welchen im Deutschen Reiche Schiefer gewonnnen wird, sind rau und unfruchtbar. Der Boden liefert seinen Bewohnern fast nur Gestein, durch dessen Bearbeitung Letztere ihr Brot erlangen. In schwerem Kampf gegen die Unbilden des Klimas mit mühevoller Arbeit verbringen sie ihr Leben in Armut.“...
Der erste Weltkrieg brachte den Schiefer-bergbau fast zum Erliegen. Inflation und Weltwirtschaftskrise verschärften die schlechte Lage. 1928 kam es zu einem großen Streik in der Schieferindustrie, der aber auch nur geringe Verbesserungen der sozialen Lage brachten. Die Schieferindustrie erholte sich nur langsam.
1943 bis 1945 wurden Gruben ganz oder teilweise stillgelegt und teilweise als potentielle Standorte für unterirdische Industrieanlagen, wie die Raketentestanlage für die „Vergeltungswaffe V2“ in der Grube Schmiedebach mit ihrem KZ-Außenlager Laura, missbraucht.
Nach 1945 erfolgte der Zusammenschluss aller Schieferbetriebe unter einem Dach. Ein entscheidender Schritt für die Entwicklung zu den heutigen Vereinigten Thüringer Schieferwerken war getan.
In den 50er Jahren - dann schon als volkseigener Betrieb mit dem Namen "VEB Vereinigte Thüringer Schiefergruben" änderte sich das Produktionsprofil des Unternehmens weg vom reinen Dach- und Wandschieferproduzenten hin zum modernen und leistungsfähigen Aufbereitungsbetrieb mit den Schwerpunkten Leichtzuschlagstoffe, Mahlprodukte und nach wie vor Dach- und Wandschiefer.
1979 ging ein neues Blähschieferwerk am Standort Unterloquitz in Betrieb, welches mit einer Kapazität von ca. 180.000 m³/a von nun an das "Herzstück" des Unternehmens war.
Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten in 13 Betriebsteilen, verstreut über das gesamte Gebiet der damaligen DDR über 1.200 Arbeitnehmer. Die Produktpalette ging von Schotter, Splitt, Kunststoffen, Mineralstoffgemischen, Leichtzuschlagstoffen, Dach- und Wandschiefer bis hin zu kaltvulkanisierenden Polysulfidkomponenten für die Thermoscheibenindustrie.
1990, unmittelbar nach der Wiedervereinigung, entstand aus dem damaligen VEB Vereinigte Thüringer Schiefergruben eine Kapitalgesellschaft mit der Bezeichnung "Vereinigte Thüringische Schiefergruben GmbH".
Durch Teilprivatisierungen und Ausgliederungen während der Zeit der Zugehörigkeit der Treuhandanstalt reduzierte sich die Belegschaft im Unternehmen auf ca. 400 Arbeitnehmer und der Unternehmenszweck reduzierte sich auf die Gewinnung und Verarbeitung von Steinen und Erden mit den Hauptgeschäftsfelder Produktion von Blähschiefer ulopor® und Dach- und Wandschiefer (Thüringer Schiefer®).
Nach Treuhand und zwei Privatisierungsversuchen übernahm 2003 das niederländische Großunternehmen Koop International B.V. aus Groningen zu 100 % die produktionswichtigen Teile der VTS, wie sie auch heute noch kurz genannt wird. Seitdem entwickelt sich das Unternehmen zu einem modernen Verarbeitungsbetrieb von Mineralien und Erzen mit einer sehr breit gefächerten Produktpalette.
Lehester Zeitung (1915)
Spalthütte "Oertel" (ca. 1925)
Staatsbruch Lehesten (ca. 1920-30)